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23.8.2017 : 11:50 : +0200

Susan Maclean im Interview mit Frank Herkommer

25.09.2012

Kundry und Ortrud in Bayreuth, ARTE-Liveübetragung, Parsifal im Kino, Liveübertragungen von England bis Spanien. Frank Herkommer fragt nach für Opernnetz

Nachgefragt: Susan Maclean

Schon seit langem begleitet Opernnetz publizistisch die Karriere der deutsch-amerikanischen Mezzosopranistin Susan Maclean. 2010 debütierte sie in Bayreuth als Kundry in der gefeierten Parsifal-Inszenierung von Stefan Herheim. Bei den diesjährigen Festspielen stand sie zudem als Ortrud in der Neuenfelsinszenierung des Lohengrin auf der Bühne. Susan Maclean im Gespräch mit dem Opernnetz-Korrespondenten Frank Herkommer.

Opernnetz: Sie blicken auf drei Jahre Bayreuth zurück. Was macht die Festspiele so besonders für eine Sängerin?

Susan Maclean: Es ist diese behütete Innenwelt von Wagnerianer, ob Sänger, Orchester oder Regieteams, Spitzenleute aus allen deutschen Theatern, dazu viele aus dem Ausland. In der Arbeit herrscht trotz der hohen Anspannung eine solche Ruhe, in der man wirklich arbeiten kann und in die Tiefe gehen. Diese große Zahl von Sängern, bei denen es nicht um das eigene Ego geht, sondern wirklich um die Sache. Es herrscht eine hohe Kollegialität unter den Kollegen, gerade unter denen, die im selben Fach singen. Natürlich ist die Akustik einmalig. Sie ist für Stimmen sehr vorteilhaft, sie bringt den Klang zum Blühen. Die Artikulation ist in Bayreuth doppelt so wichtig, weil die Konsonanten durch die Akustik von Natur aus gedämpft werden, die Vokale macht sie weich, sodass man mehr Schritt geben muss, was in anderen Häusern übertrieben ausgesprochen wirken würde.

Opernnetz: Sie haben bei den Festspielen 2012 sowohl die Rolle der Kundry gesungen als auch die der Ortrud. Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Doppelbelastung gemacht?

Susan Maclean: Mit den Generalproben habe ich 14 mal die Partien innerhalb eines Monats gesungen, Ortrud und Kundry alle zwei bis drei Tage alterierend. Ich weiß heute selbst nicht, wie ich das gemacht habe. Ich habe sehr gesund gelebt, ich bin selten nach einer Vorstellung ausgegangen, und ich habe einen wunderbaren und fürsorglichen Mann, Andrew Zimmermann, der ein hervorragender Bodyworker und Gesangspädagoge ist.

Opernnetz: Wie war die Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels und Stefan Herheim?

Susan Maclean: Verwöhnter kann man nicht werden. Von Stefan Herheim, den ich seit 12 Jahren kenne, dessen Arbeit ich über alles schätze und seine Menschlichkeit. Und die allererste Begegnung mit dem großen Meister Hand Neuenfels. Wir haben uns sofort verstanden, die Zusammenarbeit war die reinste Freude. Das Erlebnis seiner Intelligenz, seiner Souveränität, seiner Freude aufs Theatermachen würde ich jedem anderen Sängerkollegen wünschen. Beide Regisseure haben unterschiedliche Arten der Darstellung meiner Rollen. Bei Herheim sehr, sehr extrovertiert und ausgespielt, er inszeniert detailfreudig die volle Schattenpersönlichkeit der Kundry. Bei Neuenfels, was bei Ortrud sehr selten vorkommt, werden die Brüche sichtbar, die schwachen Seite. Neuenfels zeigt, wie sich diese Figur langsam selbst zu Grunde richtet. Beide Regisseure sind Meister der Personenführung und der Charakterisierung.

Frank Herkommer: Der Kulturkanal ARTE hat dieses Jahr live den Parsifal übertragen. Die Aufführung wurde unter anderem in Spanien und Großbritannien übertragen und war in zahlreichen Kinos live zu verfolgen. Wann werden wir die DVD käuflich erwerben können?

Susan Maclean: Der Verlag hofft, noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Opernnetz: Wie geht es bei Ihnen in nächster Zukunft weiter?

Susan Maclean: An der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, wo ich fest zum Ensemble gehöre, mit Richard Strauß. Ich singe in dieser Saison in der Oper Salome die Herodias und die Amme in „Frau ohne Schatten“. Im Frühjahr steht eine Neuinszenierung des Parsifal in Antwerpen an. Im Mai singe ich die Kundry in Santiago de Chile.

Opernnetz: Viel Erfolg und vielen Dank für dieses Gespräch