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Vom Zumüllen, Zusaufen, Zuschlagen, Zuschmieren und Zulärmen-die FGZ in KL

25.02.2008

Frank Herkommer interviewt für den WILLI den Vorsitzenden des Lauterer Einzelhandelsverbands Pallmann

Finger in die Wunde


Willi: Erst aus der Mitte an den Rand der FGZ, dann Dichtmachen. Geht das Sterben traditionsreicher Lauterer Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt weiter?


Matthias Pallmann-Heger: Natürlich schmelzen von der Quantität her gesehen die Fachhandelsgeschäfte ab. Das ist aber ein bundesweites Problem, weil die Konkurrenz sich verschärft hat. Auch hat nicht jeder einen Nachfolger. Die Geschäfte, die bleiben, sind stark spezialisiert und darum sehr konkurrenzfähig Was wir auch sehen müssen ist, dass durch die vielen Handelsunternehmen, die in den letzten Jahren in der Peripherie angesiedelt wurden, sich die Frequenz in der Innenstadt verschlechtert hat. Es gibt in Kaiserslautern drei Mal soviel Verkaufsfläche pro Einwohner wie im Bundesdurchschnitt. In der Ansiedlungspolitik gilt Kaiserslautern als das Beispiel bundesweit, wie man es nicht macht.


Willi: Klaus Weichel, Lauterns neuer OB, möchte die Attraktivität der Innenstadt erhöhen. Welche Tipps können Sie ihm geben?


Matthias Pallmann-Heger: Dr. Weichel und der Verband des Einzelhandels Kaiserslautern stehen im intensiven Dialog. Wir brauchen zunächst einmal in der Innenstadt mehr Solidarität unter den Händlern, nicht nur bei gemeinsamen Aktionen wie der Weihnachtsbeleuchtung. Wir setzen uns beim Land ein für die Verabschiedung eines Gesetzes, das dem Stadtrat die Einrichtung eines BID ermöglicht, eines business improvement district, einer so genannten Quartiergemeinschaft Wenn die Hausbesitzer eines bestimmten Bezirks bei einer Abstimmung mehrheitlich für einen solchen BID votieren,wird er eingerichtet. Alle Hausbesitzer in diesem Bereich zahlen dann einen jährlichen Beitrag in einen Solidaritätstopf ein- keine Unsummen, es geht hier um 500 bis 1000 Euro im Jahr. Damit wird gezielt dieses Stadtgebiet gefördert, von der bereits angeführten Weihnachtsbeleuchtung über weitere Aktionen bis zu Ordnung und Sauberkeit. Mit Dr. Weichel diskutieren wir des weiteren über ein neues Einzelhandelskonzept, damit in Zukunft der Wildwuchs in nicht integrierten Standorten endlich aufhört.


Willi: Zumüllen (Mac Donald), Zusprayen (das frisch renovierte Havanna), Zulärmen (nach Kneipenbesuchen bis in die Puppen), Zusaufen (Stiftsplatz), Zuschlagen (Steinstraße). Zustandsbeschreibung der Innenstadt. Fehlt unserem Ordnungsamt das Durchsetzungsvermögen?


Matthias Pallmann-Heger: Ich bin Geschäftsmann und Anwohner in der City und erlebe die Innenstadt 24 Stunden am Tag. Wir befinden uns in einer Situation, in der es nicht fünf vor zwölf ist, sondern fünf nach zwölf.

Ich denke, was Sicherheit und Sauberkeit betrifft, brauchen wir den politischen Willen, auch mal Dinge durchzusetzen, die vielleicht juristisch angreifbar erscheinen könnten. Unsere Stadt braucht den Mut wie ihn zum Beispiel Freiburg gezeigt hat mit seinem Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Auch das Argument, dass wir in Kaiserslautern zu wenig Ordnungskräfte haben, um die Einhaltung des Verbots überwachen zu können, kann so nicht akzeptiert werden. Wenn ein Missstand da ist, muss er auch angegangen werden. Ich kann das statistisch nicht belegen, aber es ist meine Überzeugung, innerhalb von Rheinland- Pfalz gehört unser Kaiserslautern zu den problematischsten Städten,was die Sicherheit und die Sauberkeit anbelangt. Wenn es also die Stadt und ihr Ordnungsamt nicht schafft, zum Beispiel gegen den Vandalismus energisch vorzugehen, dann muss sie sich Hilfe beim Land holen, bevor die Bürger vor die Hunde gehen. Die Vermüllung geht zu 90% zurück auf Verpackung von Fast-food und Produkten aus dem Thekenverkauf. Es ist mir nicht erklärlich, warum diese Geschäfte nicht nach dem Verursacherprinzip in die Haftung genommen werden. Wir beobachten, dass immer mehr verwahrloste Jugendliche sich verstärkt in der Innenstadt aufhalten. Hier ist die Stadt, unsere Gesellschaft und die Politik gefragt, sich mehr für diese Jugendlichen zu engagieren. Das schlimmste wäre Resignation. Meine Devise hält dagegen: Geht nicht, gibts nicht.


Matthias Pallmann-Heger (41) ist seit 1997 Vorsitzender des Einzelhandels-Verbandes in Kaiserslautern. Das traditionsreiche Fachgeschäft für Geschenke, Porzellan und Haushaltswaren Pallmann gehört so prägend zur FGZ wie die Stiftskirche.

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