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18.12.2018 : 22:51 : +0100

Bayreuthsängerin Susan Maclean im Gespräch

27.09.2011

Frank Herkommer interviewt die international renommierte Mezzosopranistin Susan Maclean exklusiv für das Willi-Magazin

„Ich war glücklich“


Bayreuth – Sängerin Susan Maclean im Gespräch mit Frank Herkommer


Von Bielefeld über Kaiserslautern,Mannheim, Leipzig und Düsseldorf nach Bayreuth. Der steile Karriereweg der Mezzosopranistin Susan Maclean, die in der Barbarossastadt noch vielen in bester Erinnerung ist. Für Willi – Magazin gab sie dieses Interview.

Willi: Frau Maclean, Publikum und Presse waren auch dieses Jahr begeistert von Ihrer „Kundry“ in der umjubelten Parzifal – Inszenierung von Stefan Herheim. Welchen Einfluss hat Ihre Zeit am Pfalztheater in Kaiserslautern für Ihre Entwicklung und Ihre Karriere zum internationalen Star?

Susan Maclean: Entscheidenden! Ich stand damals an einem Wendepunkt. Ich hatte mir ernsthaft überlegt, ob ich nicht etwas ganz anderes tue und meine Karriere als Sängerin beende. Das hat eine Vorgeschichte. Ich wechselte damals in Bielefeld das Fach, vom lyrischen Mezzosopran zum schweren und arbeitete danach als freie Sängerin. Für mein neues Fach bekam ich zunächst keine Engagements. Man dachte wohl. Die soll ihren Rossini weiter singen. In Bielefeld bot man mir als Gast die Rolle der Venus in Wagners Tannhäuser an. Ich hatte große Schwierigkeiten, die Rolle zu lernen und fuhr mit der Gewissheit zur Probe, die merken es, und das war es dann mit dem Singen überhaupt. Aber während der Probe kam die Stimme und war voll da. Ich bekam Lust auf mein neues Fach, aber niemand engagierte mich. Da habe ich an den damaligen Intendanten des Pfalztheaters gedacht, an Wolfgang Quetes, mit dem ich bereits öfters zusammengearbeitet hatte. Ich rief an an. Das war 1999 und ich durfte zum ersten Mal die Brangäne singen in Tristan und Isolde. So fing es an. Nach mehreren Gastspielen wurde ich 2001 festes Mitglied im Ensemble. Johannes Reitmeier setzte dort fort, wo Quetes begonnen hatte. Ihm habe ich viele Rollendebüts zu verdanken in schönen Inszenierungen, wie Lady Macbeth, die Santuzza, Dalila und die Herodias. Kaiserslautern war wichtig für meine stimmliche und künstlerische Entwicklung, aber auch für mein Selbstbewusstsein. Ich war glücklich, es war eine ruhige Zeit und ich hatte sehr nette Kollegen.

Willi: Wie ist Kaiserslautern in ihrer Erinnerung geblieben?

Susan Maclean: Es war schön. Eine Zeit lang wirklich zuhause zu sein, in den Geschäften und Lokalen die Inhaber zu kennen. Das Spinnrädel oder Uwes Tomate, um nur zwei zu nennen. Mit Lola, meinem Mops, war ich täglich im Wald auf dem Betzenberg. Ich finde die Mentalität der Lautrer so toll. Sie sind sehr, sehr freundlich, offen gemütlich und zugänglich. Sie lieben ihren Fußball und ihr Pfalztheater.

Willi: Sie haben im Frühjahr geheiratet, Andrew Zimmerman, Tenor,dem Kaiserslauterer Publikum ebenfalls bekannt. Wie ist das so in einer Künstlerehe?

Susan Maclean:
Das ist sehr schön. Wir helfen einander. Da besteht kein Konkurrenzverhältnis. Mein Mann hat seine Doktorarbeit geschrieben über Gesangsstimmen, ich kann meine große Erfahrung auf der Bühne einbringen.An den freien Tagen gehen wir viel in die Natur, das hilft zu kompensieren, dass ich schon lange keinen Urlaub mehr machen konnte. In Düsseldorf haben wir gerade eine Wohnung im Grünen bezogen.

Willi: Gehen Sie manchmal selbst in die Oper?

Susan Maclean: O ja! Sonst vergisst man als Künstler, was das Publikum wahrnimmt und worauf es ankommt.

Willi: Haben Sie noch Kontakte nach Kaiserslautern?

Susan Maclean: Als ich noch in Mannheim war, natürlich mehr. Solange Pfarrer Kaiser an der Martinskirche tätig war, kam ich jedes Jahr und habe die Pfingsmesse in seiner Kirche gesungen. Das fällt jetzt leider weg.

Willi: Wenn sich Lauterer nach Düsseldorf oder Duisburg aufmachen wollen, um Susan Maclean auf der Bühne zu erleben, was ist im Angebot?

Susan Maclean: Gespräche der Karmeliterinnen“ von Francis Poulenc, im Frühjahr die Santuzza, mein Rollendebüt als Sieglinde in der Walküre, ich singe Baba, the turk in einem lustigen Stück von Igor Strawinsky, „The rake's progress“.

Willi:
Werden wir Sie nächstes Jahr wieder in Bayreuth auftreten sehen können?

Susan Maclean: Die Besetzungen gibz Bayreuth selbst bekannt. Aber dass ich dabei sein werde, so viel darf ich schon verraten. 

Willi:
Herzlichen Dank für das Interview. Und toi, toi, toi für diese Saison!