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13.11.2018 : 19:41 : +0100

Weihnachtsfreuden oder Linke Hälfte- rechte Hälfte

01.11.2008

Literarisches Ich-biografisches Ich, Erzählung und Ansprache, Frank Herkommer betreibt ein Spiel mit Ebenen, Zeit und Formen in seiner Lesung am 5. Dezember 08 in Pirmasens, die nach dem Vorbericht in PZ und Rheinpfalz innerhalb von Stunden ausverkauft war

Lesung Frank Herkommer : Weihnachtsfreuden oder: Linke Hälfte- rechte Hälfte


Lesung im Pünktchen und Anton, Kulturcafé in Pirmasens


Wann genau ich mein coming out als Weihnachtshasser hatte, ich weiß es wirklich nicht mehr. Große Veränderungen schleichen sich gerne ganz langsam, über biographische Ewigkeiten heran. An den Umschlagspunkt, nach dem nichts mehr ist, wie es vorher war.


Vielleicht fing ja alles damit an, dass ich mich eines Heilig Abends, es mag so vor sieben Jahren gewesen sein, mit einem kleinem Satz und großer Kühnheit abkoppelte. „Geht ihr mal allein in die Christmette. Mir ist heute Abend einfach nicht danach.“ Ich ließ mich von Herzen bedauern, ach wie schade, wo du dich doch immer so auf die Mette gefreut hast. Die Kantorei soll dieses Jahr besonders gut sein. Weihnachten ohne Kirche, das ist doch wie Radfahren ohne Doping. Und dann, fast schon resignierend: Geht’s wirklich nicht, du Armer?


Ich guckte nach dieser Umstimmungskaskade so gequält, fast schon empört wie wohl dazumal das süße, frisch gewickelte Christuskind, als der neugeborene Stalljunge vom harten Stroh schmerzhaft in die wohlgeborene, jedoch nach den Strapazen der Welterblickung doch noch sehr empfindliche Haut gepickst wurde. Statt Mutterkuchen und Fruchtwasser, dieses pränatale Abendmahl in beiderlei Gestalt, mit Heilsvergewisserung als Dauerzustand, waren es nun dampfende Kuhfladen, die die neue Wirklichkeit bestimmten und seine messianische Nase sicherlich beleidigten. So traumatisiert, hat der Weihnachten bestimmt nie wieder gefeiert!


Man akzeptierte. Scheinbar ohne nachtragendes Murren. Und doch meinte ich, hinter dem Anteil nehmenden Blick, der besorgten Nachfrage, ob man mich auch wirklich alleine zu Hause lassen könne, neiderfüllte Aggression aufblitzen zu sehen. Unausgesprochene Vorwürfe der Entsolidarisierung. Glaubst du, wir hätten wirklich Lust, jetzt noch mal raus in die nasse Kälte? Pogepeinigte Hinterbänkler in einer weihrauchschwangeren, Bronchien reizenden Kirche zu sein, und das über volle zwei Stunden? Wo der Alkohol gerade anfängt, seine anmutige Wirkung zu entfalten. Das Strahlen im Gesicht ein Ausdruck wahrer Freude ist und sichtlichen, überweihnachtlichen Wohlfühlens, einem guten Bordeau und einem handwarmen Cognac geschuldet. Eine Stimmung, die nach kultivierter Pflege in Gestalt wohl dosierten Nachschubs verlangt.


Mein Mitleid hielt sich in am eigenen Wohlfühlen orientieren Grenzen. Nach mindestens fünf Wochen Kling, kling Klingeglöckchen kling, in Kombination mit abgedroschenem Verheißungskitsch aus längst abgesunkenen Zeiten, als es nur einmal im Jahr morgen was für Kinder geben würde, hingen mir alle Weihnachtsweisen aus dem eh hustengereizten Hals heraus. Und die Kindergeschichten mit irgendwelchen Weisen aus dem Morgenland schon lange. Antike Glaskugelglotzer, wo ich eh jede Form des Aberglaubens verabscheue, die angeblich einen Operettenkönig ohne Land in ihrer zu schüttelnden Halbkugel kommen sahen. Kunstschnee von Gestern. Außerdem, wenn schon, dann einer, der gewiss nicht ihr universaler Messias sein würde, sondern ersehnt von einer fundamentalistischen Sekte inmitten eines assimilationsunwilligen Völkchens in einem unbedeutenden römischen Provinzgebiet.


Dazu eine niederkommende Jungfer, die keiner Verheißung, sondern einem Übersetzungsfehler geschuldet ist. Sacrificio intellectus, Hirntrojaner mit verheerenden Blokadewirkungen, archaischer Wurm in wissenschaftlichen Denkstrukturen, nur weil die Herren Übersetzer damals in Rekordzeit eine griechische Bibelausgabe auf den des Hebräischen und Aramäischen unkundigen Diasporamarkt bringen wollten. Siebzig Tage und Nächte durch übersetzt, von siebzig Profis. Kein Wunder,wenn sich solche Hämmer einschleichen. Jungfrau statt junge Frau. Sexistisches Wunschdenken. Wer weiß, welches Hirndoping die damals in Alexandria betrieben hatten.


Und wer zahlt die Zeche? Wir! Wer an die Jungfrau Maria glaubt, der glaubt auch, was in ihrem Radio gehetzt wird. Der wählt die Kaschinski- Brüder und wirft im Namen der Verrussten von Tschenstochau Europa um 500 Jahre zivilisatorischen Fortschritt zurück. Hau den schwulen Lukas! Gebäre, auch wenn du zwölf und vom eigenen Onkel missbraucht worden bist. Die Erde ist eine Scheibe. Die Raketenabwehr richtet sich gegen Iran, wenn seine Raketen auf dem Weg nach Amerika in arglistiger Täuschungsabsicht den Umweg über Nordost nehmen. Wenn ich nur daran denke, ist bei mir Polen oben.

Mutter Gottes. Klar doch! Und Montags besucht Gott seine Oma Anna, Dienstags den Hahnrei Joseph. Man wird doch nicht nachtragend sein! Mittwochs Magdalena, die Konkubine seines Sohnes. Ein klitzekleines „e“ mehr, und alles wäre anders gekommen. Wenn ich mir das so überlege, ich bin doch gegen die Legalisierung von weichen Drogen. Man sieht ja, was dabei heraus kommt.


Nein, es reicht! Weihnachtsgeschichte! Die Engel, die mir was flüstern dürfen, sind aus Fleisch und Blut. Und mein Wohlgefallen auch. Hirten kenne ich nur noch vom Griechen, wenn ich mir einen gleichnamigen Teller bestelle. Und als urbaner Agraranalphabet muss ich erst bei Wikipädia nach schauen, was Hürden wohl noch bedeuten können neben einem einen Gerät von gut einem Meter Höhe, das in vollem Lauf unter Selbstverstümmlungsgefahren zehn Mal überwunden werden muss. Masochistendisziplin, wie das verfluchte Reck aus dem Sportunterricht. Bei Frieden setze ich lieber auf Völkerrecht und soziale Gerechtigkeit. Und wenn eine Geschichte schon mit einer Volkszählung einsetzt, habe ich meinen ersten Aussetzer. Wut kocht auf, wenn jeder beliebige Überquatschungstölpel mit unterdrückter Nummer am Telefon mein Geburtsdatum und meine Bankverbindung kennt. Erst zählt dich der eine big brother, dann kauft der andere deine Daten auf.


Wie sich von Weihnachten distanzieren?

Als nächstes schrieb ich eine Glosse. Für ein Stadtmagazin. Lachen ist der schönste Erkenntnisweg. Nichts haben die Tyrannen aller Zeiten so sehr gefürchtet wie Ironie und Satire. Mancher kluge Kopf verlor darüber zwar seinen Leib. Aber solange ich nicht irgendwelchen atavistischen Islamisten in die Quere schreibe, kann mir heutzutage nichts passieren.


Doch hier erst einmal die Weihnachtssatire für den WILLI:


Wie herauskommen aus der ewigen Wiederkehr des Gleichen? Endlich einmal Weihnachten ganz anders feiern. Oder wenigstens keinen Stress erleiden. Dazu fünf ultimative Tipps:


  1. Kommen Sie ohne Einkaufsstress durch die Vorweihnachtszeit. Heilig Abend völlig relaxed- wer ist das schon? Bitte keine Geschenke besorgen, kein lästiges Anstehen bei der Weihnachtspapier- Einpackschlange, kein nächtelanges, schlafloses Sich-Wälzen, was wünscht sich Tante Gerda, die sowieso an allem etwas auszusetzen hat, worüber außer Geld würde sich Neffe Klaus freuen, was erwartet die anspruchsvolle Gattin. Warten Sie, bis alle Geschäfte geschlossen haben an Heilig Abend. Nur sie und das Christkind sind noch unterwegs. Und jetzt improvisieren: Die Tankstellen an der Autobahn haben durchgehend geöffnet. Frostschutzmittel für die Tante, Bremsleuchten für die Heckscheibe bekommt die Gattin, ein Heft in verschweißter Hülle für den pubertierenden Neffen. So einfach kann Glück bereiten sein.

  2. Was erzählen beim Weihnachtsessen? Für die besinnliche Atmosphäre (es ist immerhin Heilig Abend) sorgt der Hinweis, wer dieses Jahr alles nicht mehr mit am Tisch sitzt. Zunächst sollten Sie auf die jüngst Verstorbenen hinweisen, dann ausholen bis 1950. Als Großmutter ihre Großmutter verlor. Nicht zu vergessen, mit wem man seit wann verkracht ist, wer lebenslängliches Hausverbot hat und von wem man bei der letzten Erbschaft über den Tisch gezogen wurde. Seien Sie gewiss, die familiären Themen werden Ihnen nicht ausgehen, und alle werden nach diesem Heiligen Abend nachvollziehen können, warum man vom intimen Familienfest spricht.

  3. Behalten Sie ein Geheimnis für sich, dass Sie erst an Heilig Abend lüften. Besonders effektvoll, wenn Sie in Frauenkleidern zur Bescherung erscheinen und Ihren betagten Eltern strahlend mitteilen, dass Sie nicht mehr Klaus, sondern Bärbel heißen und die Geschlechtsumwandlung nächsten Mai durchgeführt werden wird. Sollten Sie damit bereits letztes Jahr die Überraschung auf Ihrer Seite gehabt haben, kann diesem Coup stimmungsmachende Wirkung prophezeit werden: Lassen Sie sich die Geflügelschere reichen, mit der Sie die gefüllte Gans tranchieren, um auf die Frage, warum Sie sich kein Stück genommen haben, mit dieser Antwort aufzuwarten: „Ich bin seit einer Woche Vegetarier!“Jetzt werfen Sie den gut kaschierten Diaprojektor an und zeigen Sie nacheinander vierzig Gänse, denen erst das Maul gestopft wird- „Na, schmeckt das Leberfülsel?“- und dann die Kehle durchgeschnitten. „Sie hat's ja hinter sich, nun haut doch rein!“ Erzählen Sie nebenbei von der asiatischen Vogelgrippe und ihrer möglichen Übertragung auf Menschen durch gebratene polnische Gänse. Seien Sie gewiss, dieses Weihnachtsmahl wird den Ihren in ewig dankbarer Erinnerung bleiben.

  4. Viele Menschen sind Weihnachten allein und einsam. Dagegen können Sie etwas tun! Rufen Sie anonym bei der Polizei an und warnen vor der Bombe, die am Heiligen Abend in dem Hochhaus mit 27 Stockwerken hochgehen wird. Nachbarn werden sich bei der Räumung kennen lernen, die bislang nichts von ihrer Existenz ahnten. Menschen einander Frohe Weihnachten wünschen, die sonst keine Gelegenheit dafür gefunden hätten. Und Sie der stille, unerkannte Engel, der das alles bewirkt hat. Schicken Sie die Feuerwehr zu den einsamen alten Nachbarn, den Rettungswagen zu einem Menschen, der mit Weihnachten nichts anfangen kann und als Totalverweigerer nur seine Ruhe haben wollte. So viel geballte Hilfsbereitschaft wird ihn zutiefst anrühren und sein kaltes Herz zum Tauen bringen. Rufen Sie türkisch klingende Namen an und fragen Sie, ob Sie Fahrdienst zur St. Antonskirche anbieten dürfen. Das ist wahre Integration. So beenden Sie Isolation mit Migrationshintergrund. Hajer bedeutet übrigens nein.

  5. Seien Sie ein Nonkonformist! Hardrock -Musik bei voller Dröhnung und weit geöffneten Wohnzimmerfenstern zeigt, dass Sie sich von den rührseligen Weihnachtsliedern nicht beeindrucken lassen. Setzen Sie sich in Ihr Auto und fahren vor eine Kirche. Wenn dann Ihre Boxen gegen die Orgel anheulen, wird sich zeigen, welche Musik in Wahrheit Fröhliche Weihnachten schafft. Silbermond oder Silbermann(-Orgel). Empfangen Sie Ihre Gäste ungekämmt und in Unterwäsche. Sie haben ja nicht mehr vor, noch auszugehen, so viel Respekt vor Weihnachten muss schon sein. Legen Sie Osterdecken auf, ist es nicht dieselbe Schokolade, die im Wawi-Nikolaus und Wawi-Osterhasi steckt? Verschenken Sie Aktien von Lehmann Brothers, einzutauschen bei der KfW. Das zeigt Stil! Betrinken Sie sich sinnlos, pinkeln dann gegen die Tür der Polizei und verbringen Sie die Nacht in der Ausnüchterungszelle. Garantiert wird Ihnen niemand mit konventionellem Weihachten auf die Nerven gehen. Veranstalten Sie ein Heringsessen, den Hasen gibt’s an Neujahr. Zeichenssetzen gegen den Konformismus! Legen Sie sich in die Badewanne und lesen bei einem oder mehreren Glas Rotwein alle 103 Opernkritiken, die bisher von Frank Herkommer erschienen sind. Schöner kann Weihnachten nun wirklich nicht sein!



Der letzte Akt meines Emanzipationsdramas: Schluss mit der Schenkerei! Den Ausschlag gab der Bericht über ein Selbstmordattentat in Israel: Während dort noch rabbinischen Gesetzen folgend nach jedem noch so kleinen Partikel zerfetzter und verstümmelter Opfer gesucht wurde, verteilten sie zur gleichen Zeit im Gazastreifen Süßigkeiten. Ausdruck ihrer Mordsfreude. Daher stammte also unser Brauch. Kollektiver, nahöstlicher Freudenrausch. Inhalte austauschbar. Oder verordnet. Aus dieser Traditionskette wollte ich mich doch lieber ausklinken. Kein Marzipan und Pfeffernuss für niemanden!


Seither mache ich keine Geschenke mehr und schenke mir zugleich die ganze Weihnachterei. Einladungen gehe ich grundsätzlich aus dem Weg, denn mit leeren Händen hingehen und womöglich selbst beschenkt werden, hat doch einen gewissen Grad von Peinlichkeit. Wir schenke uns gegenseitig nichts, ja,ja. Ich traue keinem Versprechen, das ich selbst schon gebrochen habe.


Heute ist Heilig Abend. Für die anderen. Für mich ist allgemeiner Apothekermittwoch. Weil alles ab eins geschlossen hat. Nicole und Frank haben mich gefragt, ob ich mir nicht mal kurz ihr neues Kulturcafé anschauen wollte, wenn ich eh in der Stadt wäre. Sie sind bis eins noch da.


Ich fahre vor. Winzler Straße. Mein altes Viertel. Pirmasenser Kulturcafé. Das hat so was wie Kühlschränke an Eskimos verkaufen. Oder ein Geschäft für Sonnenbänke am Äquator. Pirmasenser Kultur, Paradebeispiel für ein Hölzernes Eisen. Ob sich so was halten kann in Pirmasens? Ich würde keine zehn Euro drauf setzen. Früher war da doch die Schlemmerstube drin. Und ich auch. Und wie oft! Gute alte Zeiten mit der Paulusjugend. Vor dem Quatsch mit dem Bundestag. Und danach war hier drin der Schwejk.


Ich trete ein. Gerammelt voll. Nur Frank und Nicole sind nicht zu sehen. Dafür so viele, die ich kenne. Schau mal, Blasers und die Kellers, wie schön! Auch älter geworden. Nicht nur ich. Ist das nicht die Malerin aus Zweibrücken? Susanne Dingsbums. Da hinten, der Bernd Ernst vom literarischen Verein - ja, haben die Weihnachten denn nichts Besseres zu tun? Oder machen die gleich bei der Shell ihre Last minute -Weihnachtseinkäufe? Zu viel Weihnachtssatire gelesen, was?



O, das sieht ja besser aus als ich erwartet hätte. Alles umgebaut. So viele Fenster, Gesamtkonzept Offenheit, der erste Eindruck. Wie Kultur, die sich allem Eingefahrenen und Festgelegten widersetzt. Ernst Bloch. Heimat ist noch nirgends und doch schon da, wo wir alle einmal waren: In der Kindheit. So ein Gefühl kommt jetzt in mir auf. Die alten Puppen und die Figuren. Marken, die es nur zu meiner Kinderzeit gab. Tausend Unikate, Antiquarisches und Antiqiertes. So viel Andockplätze für die Phantasie. So viel Liebe zum Detail. Das alte Wort vom Sich- Vergucken fällt mir ein, mit dem Auge hängen bleiben. Aussteigen aus den Sehgewohnheiten. Das Nebensächliche zur Hauptsache werden lassen. Schrumpfkur für die angeblich großen Sorgen.

Was sind das für Bilder? Susanne Burckhardt. Richtig, so heißt sie. Ich fühle mich hingezogen und trete näher. Ich lese: „Die Natur hat einen eigenen Selbstheilungsmechanismus. Auch im tiefsten Winter wissen wir, dass in der Erde bereits neues Leben in den Startlöchern sitzt. In Wurzeln, Zwiebeln,Knollen.“ - Schön beschrieben. Ich muss an das Weihnachtslied denken- es ist ein Ros entsprungen mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht. Diese Spiritualität in den Bildern spricht mich an. Jenseits allen Obskurantismus, Dogmatismus, Pietismus.

Misteln, die wahren Perlen. Kostbarer als jede Muschelabsonderung. Dieses Symbol für Liebe, aufgehängt über der Tür der Verliebten und frisch Getrauten, heilend und Wunder wirkend in der Krebstherapie. Die liebesrote Amarylis. Wie Tulpen, Narzissen, Pfingstrosen, alles Gaben aus dem Orient, Land der Heiligen drei Könige, von dort nach Europa gekommen. Das wahre Gold, ihr Duft wie Weihrauch und Myrre.


Die Formen in den Bildern fließend, ohne harte Ränder, ineinander übergehend, geschwungen. Wie die Wahrheit, die es nur narrativ und in Annäherung gibt. Die Motive behalten ein Geheimnis, das unter der Oberfläche auf seine Einlösung wartet. Farben, deren Mischung einen Überschuss an Traum und Märchen in sich tragen. Zuordnungen, die auf eine neue Weltordnung verweisen, die möglich ist. Irdische Erdungen. Der Himmel kommt nieder. Kosmische Dimension, wie in jenem Kirchenlied, in dem Gott den Himmel aufreißt und das Messianische auf die Erde regnet. Bild „ Reisende 1“ - es zeigt Reisende nach Utopia, deren Kronen tanzen. Schuhschnecken, die von der Leichtigkeit des Aufbruchs erzählen. „Kommt herein!“ , dieses Bild kündet von der Wirtlichkeit des Lebens. Wie es nicht ist, aber sein könnte.

Nicole und Frank sind da. Welches Bild, fragen sie mich, dürfen wir dir zu Weihnachten schenken. Ich vergesse alles, was meine linke Hirnhälfte weiß. Meine Seele erweist sich als eine Entmytholgisierungsbremse. Sie schreit nach Spiritualität. Schenken bedeutete für mich immer schon mehr als Warentausch. Es ist die Phantasieprüfung der Seele schlechthin. Empathiereifeprüfung. Ich will wieder schenken.


Heute ist mein Coming in. Ich nehme an. „Reisende 2“. Pirmasenser können einfach nicht anders. Schuh muss sein. Und jetzt noch eine Bitte: Ich schau nachher überraschend bei Freunden vorbei. Deren Tür mir immer offen steht. Wie viel kostet „Willkommen“? Und packt mir noch „Liebe ist die stärkste Kraft“ ein. Da bekommt heute Nacht noch jemand große feuchte Augen.


Ich verlasse das Pünktchen und Anton. Hinter mir summt jemand O du Fröhliche! Stimmt! Einmal über die Straße, und ich bin im Shell shop. Wir sehn uns an der Kasse! Und frohe Weihnachten!