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15.12.2018 : 19:55 : +0100

Backstage mit Regula Gerber

12.11.2007

Die Generalintendantin vom Nationaltheater Mannheim spricht mit Frank Herkommer über ihr Konzept

Klassisches Repertoire - und Neues

Regula Gerber ist seit der Spielzeit 2005/2006 Generalintendantin am Nationaltheater Mannheim.
Frank Herkommer sprach für Opernnetz mit ihr.

 

Opernnetz: Zwei Jahre Generalintendanz - Zeit, die eigene Handschrift in Programm und Ensemble sichtbar werden zu lassen. Wie würden Sie das Angebot in der Sparte Musiktheater charakterisieren? Bitte eine kurze tour d’horizon!

Intendantin Regula Gerber: In der Oper war es uns wichtig, gleich schon zu Beginn meiner Intendanz eine ästhetische Entwicklung in Gang zu setzen, die einerseits auf außergewöhnliche Regisseure setzt. Hier sind allen voran Achim Freyer und Günter Krämer zu nennen, die die Oper des Nationaltheaters nicht nur in die überregionalen Schlagzeilen gebracht haben, sondern auch die ästhetische Beachtung in den relevanten Fachkreisen in Gang gesetzt haben. Aber auch Johannes Schaaf und Nicolas Brieger oder auch die jüngere Regiegeneration Joachim Schlömer, Tilman Knabe, Gabriele Rech, Gregor Horres und Alexander Schulin haben in den letzten beiden Spielzeiten die Oper in herausragender Weise künstlerisch geprägt. Zum anderen haben wir in der Oper versucht, in der Spielplangestaltung einen Schwerpunkt zu setzen, der sich im Spannungsfeld von Neuinszenierungen des klassischen Repertoires und der erstmaligen Veröffentlichung neuer Werke auf der Bühne bewegt. Denn letzte Spielzeit startete nicht nur die neue Schauspielmannschaft, sondern auch die Junge Oper, deren Vorstellungen seit der ersten Premiere im Oktober 2005 immer ausverkauft sind, obwohl wir keine Weihnachtsmärchenopern präsentieren, sondern zeitgenössische Musiktheaterwerke für Kinder und Jugendliche. Nicht zuletzt haben wir den Mozartsommer im Juli 2006 ins Leben gerufen, der aus dem Stand heraus ein sehr großer Erfolg bei Publikum und Medien war.

Opernnetz: Wie weit waren Ihre Anfangspläne, heimliche Träume zu realisieren? Gab es Widerstände zu überwinden?

Regula Gerber: Wenn man sich große Ziele steckt, was ich persönlich für meine Arbeit für unerlässlich halte, um wirklich ästhetisch anspruchsvolles Theater entwickeln zu können, dann gibt es immer wieder auch Widerstände und es gibt Träume, die erst noch verwirklicht werden müssen. Wirklich Widerstände zu überwinden, hatten wir als neues Team nicht. Was sicherlich auch dem glücklichen Umstand zu verdanken ist, dass Mannheim eine Theaterstadt ist mit einem fantastischen Publikum. Das macht vieles leichter. Die wesentlichen Ziele, die wir uns gesteckt haben, konnten, so wie ich sie vorher als Bilanz beschrieben habe, verwirklicht werden. Und das macht uns auch ein bisschen stolz.

Opernnetz: Hat sich Ihre Sicht der Dinge durch die Erfahrungen in Mannheim verändert? Was hat Mannheim Ihnen gegeben?

Regula Gerber: Selbstverständlich verändern sich eigene Standpunkte immer durch Erfahrungen. Und was hier in Mannheim für mich von Anfang an eine ganz besonders wertvolle Erfahrung ist, dass man als Neue mit offenen Armen aufgenommen wird und dass man erst einmal, ohne Berührungsängste haben zu müssen, auf die Menschen im Theater, auf die Entscheidungsträger der Stadt, aber auch auf die Zuschauer direkt zugehen und sie mit auf die Reise nehmen kann, sie von den eigenen Ideen begeistern kann. Das ist eine sehr positive Erfahrung, für die ich den Mannheimern sehr dankbar bin.